Geologe des Bergells - Steinschlag
Naturgefahren in Gebirgsregionen
Seit dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor 24'000 Jahren ziehen sich die Gletscher in den Alpen kontinuierlich zurück. Doch in den letzten 150 Jahren hat die globale Erwärmung zu einem beispiellosen Abschmelzen, zum Auftauen des Permafrostbodens und zu vermehrten Starkniederschlägen geführt. Diese Veränderungen machen steile Berghänge immer anfälliger für Bergstürze und Steinschläge. Im Bergell gibt es viele Spuren von grossen Bergstürzen: Im Ort Piuro, der 1618 von einem Bergsturz zerstört wurde; im kleinen Dorf Casaccia, wo 1673 durch einen Hangrutsch vom Piz Lunghin Häuser teilweise verschüttet wurden; und in vielen Seitentälern, wo noch heute die Überreste prähistorischer Bergrutsche sichtbar sind.



Der Bergsturz von Bondo / Pizzo Cengalo 2017
Am 23. August 2017 ereignete sich am Pizzo Cengalo am oberen Ende des Bondasca-Tals ein grosser und verheerender Bergsturz. Dabei kamen acht Menschen ums Leben, und das Dorf Bondo wurde teilweise zerstört. Um 9:30 Uhr brachen etwa drei Millionen Kubikmeter Fels von der Nordostwand des Berges ab und stürzten auf einen kleinen darunterliegenden Gletscher (Phase 1). Die Geröllmasse raste zunächst als Felslawine drei Kilometer talwärts und erreichte dabei Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h (Phase 2 und Foto). Durch die Aufnahme von Wasser aus dem Gletscher und aus gesättigten Ablagerungen am Talboden verwandelte sich die Masse jedoch in einen flüssigen Schuttstrom, der um 9:45 Uhr Bondo erreichte (Phase 3). In den folgenden Stunden und Tagen kam es zu vielen weiteren Murgängen, die schliesslich das künstliche Rückhaltebecken in Bondo füllten und sich in das Dorf und über die Hauptstrasse ergossen. Acht Jahre später wurden die Bauprojekte für ein grösseres Rückhaltebecken und zur Wiederinbetriebnahme des Wasserkraftwerks im Bondasca-Tal abgeschlossen, und es wurden neue Wanderwege zu den Berghütten Sciora und Sasc Furä angelegt.